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Donnerstag, 15. Dezember 2016

Ein lauschiges Plätzchen zwischen Feld und Wiesen..

"Was ihr machen wollt, weiß ich nicht. 
Ich werde jedenfalls nicht auf der faulen Haut liegen. 
Ich bin nämlich ein Sachensucher
und da hat man niemals eine freie Stunde." 
(Pippi Langstrumpf)


Heute zeige ich euch ein wunderbares Upcycling-Projekt!

Es hat nichts mit Basteln oder Nähen zu tun und bis auf die Tatsache, dass ich eine große Bewunderin des Werkes bin und mich immer wieder freue, wenn ich inmitten sagenhafter Figuren und anderem alten Klimbim einen Nachmittagskaffee schlürfe, habe ich mit der Entstehung nichts zu tun.

Die Rede ist von einem kleinen roten Häuschen umringt von Feldern, Wiesen und grimmigen und doch so herzlichen Bauern.

Dieser Beitrag liegt schon so lange zwischen Tür und Angel, aber so ganz zufrieden damit bin ich bis heute nicht. Es will mir einfach nicht gelingen den wahren Zauber dieses Projektes voll und ganz zu vermitteln.
Doch bevor sich das Jahr dem Ende neigt, will ich doch noch davon erzählen..


Von einem kleinen Häuschen, das so besonders ist, da es fast ausschliesslich aus, über vieler Jahre gesammelter Teile vom Sperrmüll, alten Fabriken und Fundstücken auf Dachböden gebaut wurde.

So entstand ein einzigartiges Plätzchen, das an jeder Ecke eine eigene Geschichte zu erzählen hat.
Es gibt so viel zu schauen und zu entdecken und wenn ihr wollt nehm ich euch mit auf einen kleinen Rundgang in eine einzigartige Welt..


Der Hausherr des Häuschens ist ein "alter" Freund von mir, den ich schon seit Kindertagen kenne.
Ich nenne ihn in diesem Beitrag Lars Larson, da dies auch sein Pinterest Name ist und obwohl er mir gern die Erlaubnis gab, etwas über sein Projekt zu schreiben, will er selber nicht unbedingt ins Rampenlicht gestellt werden.
Auf Pinterest findet ihr übrigens ein paar Bilder von der Entstehung des Häuschens.

Vor ein paar Jahren übernahm Lars Larson den Grund von seiner lieben Oma. Bis auf ein paar Gemüsebeete und einem kleinen Schuppen für Gartenwerkzeug befand sich nichts auf dem Grundstück.

..und aus diesem alten Geräteschuppen ist das Projekt "Häuschen bauen aus Wegwurf-Material" geboren.
Das Projekt  ist schon weit gekommen, doch es wird wohl ein ewiger Prozess sein, am Bau zu feilen und zu werkeln.

Mittlerweile besteht das Häuschen aus Terrasse, Wohnraum, Schlafraum und Küche und einem kleinen Zimmerchen mit einer Sitzbadewanne, die man selber mit, am Herd erwärmten Wasser befüllen muss.

Denn fliessend Wasser gibt es keines, dafür ein Regenwassertank aus Beton, der im Sommer auch gern als "Kühlschrank" für Getränkeflaschen verwendet wird.
Für andere Bedürfnisse steht eine deluxe Campingtoilette zur Verfügung.

..und Strom? Gibt´s, und zwar von Solarstromzellen am Dach ! Da es doch schwer ist mehrere Tage ohne auszukommen, denke man an Handy aufladen oder Musik hören.

Lars Larson sammelt schon seit Jahrzenten alles mögliche an noch brauchbaren Dingen, die ihn in irgendeiner Weise begeistern.

Noch bevor er im Entferntesten wusste, dass er jemals dieses kleine Häuschen bauen würde, machte er nicht davor halt alte charmante Türen, Fensterrahmen, Lampen, hübsche Vasen, Bilder, alte Werkzeuge, alte Zeitungen.. zu sammeln. Die Liste könnte ich beinahe ins Unendliche fortsetzen.
Alles Dinge, die jemand anderes nicht mehr haben wollte und entsorgt hatte. 

In seiner Wohnung und in seinem Keller wurde alles fein säuberlich verstaut und wartete darauf, einen neuen Sinn zu bekommen.

Das Schönste ist, wie Lars Larson von seinen Fundstücken erzählt. Diese Begeisterung, ja fast "Liebe" für die alten Sachen, kenne ich von niemanden!

Kommt man in den Garten entdeckt man sogleich viele liebevolle Details, alte Kochtöpfe und Kuchenformen, skurrile Puppen, verspielte Metallverzierungen von alten Häusern, altes Werkzeug und kleine lustige Figuren.


Lars Larson ist ein Liebhaber der Schönen Dinge. Doch würde er nie auf die Idee kommen in einen Laden zu gehen und sich das ein oder andere hübsche Stück zu kaufen.
Nein, er ist wie Pippi Langstrumpf ein Sachensucher! Wer nun nicht weiß, was ein Sachensucher ist, dem will ich es mit Pippis eigenen Worten erklären:

Jemand der Sachen findet, wisst ihr?
Was soll es anderes sein!
Die ganze Welt ist voller Sachen
und es ist wirklich nötig, dass jemand sie findet.
Und das gerade, das tun die Sachensucher.
(Pippi Langstrumpf)

Ein echter Sachensucher kann überall nützliche oder einfach nur schöne Dinge finden. Dinge, die ein anderer achtlos weggeworfen oder vielleicht auch irgendwann einfach verloren hat. 

Man muss nur einen besonderen Blick - den Sucherblick - und viel Leidenschaft und Liebe für die, für andere wertlosen Dinge haben und schon kann man wunderbare Schätze im Sperrmüll, auf Dachböden oder Flohmärkten finden.

 
Auch in der Natur gibt es wunderschöne Dinge zu finden. So wurde auch hier der Garten und das Häuschen mit sonderlich geformtem Schwemmholz, Wurzeln und Steine dekoriert.

Man braucht nur die Augen offen halten und aufmerksam überall hin schauen, wenn man als Sachensucher durch die Gegend wandert. Mit Sicherheit wird man dann nicht mit leeren Händen nach Hause zurückkehren.
An das Häuschen ist eine kleine überdachte Terrasse gebaut, die von Fensterfronten vom Wind geschützt wird.


Was das Häuschen so besonders macht ist das Material, woraus es gebaut wurde.

Natürlich mussten auch neue Baumaterialien angeschafft werden, aber das meiste sind Fundstücke oder Geschenke von Menschen, die wussten, dass Lars Larson aussergewöhnliche Sachen gerne an sich nimmt.

So auch zum Beispiel die verschiedenen Fensterrahmen, die von einer alten Fabrik stammen.
Das Glas wurde neuen Fenstern entnommen, die er am Sperrmüll gefunden hatte, zugeschnitten und in die alten Rahmen eingesetz.

Haus aus Müll bauen, Steyr, Steyrtalbahn, Trödel, Upcycling, Wegwerfgesellschaft,

In der Küche steht ein alter Tischherd, den ein Bauer in seiner Garage stehen hatte. Den Kamin dafür mauerte Lars Larson mit geschenkten alten Ziegeln eines Nachtspeicherofens.
Der schöne Rauchfangaufsatz am Schornstein hatte ein Freund Lars Larsons am Dachboden liegen.

So zieht sich das durch´s gesamte Haus und da immer wieder Dinge das Sammelsurium Lars Larsons erweitern, verändert sich auch das Haus fast tagtäglich.


Das Herzstück des Häuschens ist der Wohnraum!
Oh, da ist es so heimelig und wird im Tischherd auch noch geheizt, ist es einfach nur wunderbar! Ein Käffchen und eine Ausgabe Film-Kurier oder Hobby aus den 70ern dazu und schon verspricht es ein feiner Nachmittag zu werden.


Leider ist es unmöglich, euch alle hübschen Dinge zu zeigen.  Ihr müsst euch das so vorstellen.. jedes freie Plätzchen wurde mit besonderen und sonderlichen Stücken gefüllt, die bereits viel erlebt und zu erzählen haben.

Das modernste im Häuschen ist Lars Larsons 20 Jahre altes Nokia Handy ;)


Meine absoluten Lieblinge sind die vielen Ausgaben des Film-Kuriers, einer der damals einflussreichsten Filmzeitschriften.
Der Illustrierte Filmkurier war ein Filmprogrammheft zu wichtigen Filmen, das in den Kinos verkauft wurde.
Das Blatt wurde von Alfred Weiner gegründet und erschien 1919 - 1945 in Berlin. 


Jedes Mal wenn ich komme, stehen die Dinge irgendwie anders und ich entdecke immer wieder neue Stücke. Egal ob im Garten, auf der Terasse oder drinnen, es gibt so viel zu sehen und zu bestaunen!

Und jedes einzelne Stück ist etwas ganz Besonderes für Lars Larson!


Nur ein paar Meter weiter weg vom Häuschen fließt die Steyr. Ein naturbelassener Fluss, dessen Wasser so sauber ist, dass es sogar Trinkqualität hat!


Die Steyr wurde und wird hauptsächlich zur Energiegewinnung genutzt. Früher zum direkten Antrieb von zum Beispiel Mühlen oder Schmiedehämmern, später zur Stromerzeugung.

Da das Wasser sehr seicht ist und hie und da ein Wasserkraftwerk den Weg versperrt, wird der Fluss nur von kleinen unmotorisierten Booten oder Flossen befahren. 

Das Steyrtal ist ein Paradis für Mensch und Tier. Gäste, die das erste Mal Steyr und das gleichnamige Tal kennenlernen, sind entzückt vom Liebreiz und der Urgewalt entlang dieser Wasserader.
Es ist ein idealer Ort um Energie zu tanken und die Natur zu geniessen.

Auf der anderen Seite des Häuschens tukert die Steyrtalbahn, die älteste Schmalspurbahn Österreichs, vorbei.
Deren Fahrt beginnt in Steyr, vorbei an der weltbekannten Wallfahrtskirche Christkindl und dem Postamt Christkindl durch Wiesen und unberührte Aulandschaften.
Meist weitab von Ortschaften, folgt die Strecke dem Lauf der Steyr durch eines der reizvollsten Täler der Region.

..und wenn´s dann dunkel wird, erwacht vielleicht die ein oder andere Seele der gelebten Dinge und grüßt die Nacht.


Hoffentlich hat euch der kleine Ausflug gefallen, denn mir war es ein Anliegen euch vom hübschen Häuschen zu erzählen.

Einfach nur, um sich in Erinnerung zu rufen, dass es auch anders geht . Vor allem nun zur Weihnachtszeit neigt man leicht dazu seinen Konsum zu übertreiben und da will ich mir auch an meine eigene Nase fassen!

475 Kilogramm Müll wirft jeder EU-Bürger jährlich weg, darunter 123 Kilogramm Essen (Statistischen Amts der EU, Eurostat, 2014).  

Ich bin leider auch kein Engel was den Konsum betrifft und kaufe immer noch mehr als nötig! Da tut es gut, daran erinnert zu werden, den Dingen etwas Bedeutung zu geben, dann werden sie auch gleich viel schöner in den Augen des Betrachters.


Aber nun verabschiede ich mich mit Pippis Worten..


"Am besten, ihr geht jetzt nach Hause, 
damit ihr morgen wiederkommen könnt. 
Denn wenn ihr nicht nach Hause geht, 
könnt ihr ja nicht wiederkommen. 
Und das wäre schade."
(Pippi Langstrumpf)




..eure Susanna



Verlinkt bei facile et beau

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Kommentare:

  1. Wow, das ist einfach nur unfassbar schön!

    Liebe Grüße

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    1. Oh, wie schön, dass dir der Beitrag gefällt!
      Ganz lieben Gruß!
      Susanna

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  2. Liebe Susanna,
    Du bist eine wahre Geschichten-Erzählerin. Herrlich, wie Du dich so begeistern kannst. Deine Sorge, der Funke könnte an Deine Leser nicht überspringen war völlig unbegründet. Es hat Spaß gemacht die Bilder anzusehen und den Bericht dazu zu lesen.
    Lieben Gruß, auch an Lars Larson ;-)
    Angie

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    1. Liebe Angie, es freut mich so sehr, dass dir das Lesen meines Beitrages Spaß gemacht hat! Ich hab ja ewig dran getüftelt und fast 1000 Fotos vom Häuschen geschossen. Okay, viele schon Mal unbrauchbar wegen der Lichtverhältnisse.. Wie schön, dass du meinen Blog immer wieder besuchst!! :)
      Ganz lieben Gruß!
      Susanna

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  3. ich muss Angie Du recht geben - auch mich hat es voll mit reingezogen. Das ist ein Häuschen ganz nach meinem Geschmack. so viele liebevolle details fürs auge und "gemüt" .... einfach unglaublich mit wie viel liebe und fleiß da kleinigkeiten zu einem wunderbaren großen ganzen zusammen getragen wurden! ich bin sprachlos! das ist bis jetzt der größte beitrag zum upcycling! UNFASSBAR.... neeee... ich muss nochmal gucken :)
    danke fürs teilen <3
    liebe grüße
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    1. Liebe Gusta! Es ist so toll, dass dich das Projekt so begeistert!! Da steckt wirklich unheimlich viel Arbeit dahinter, aber es bereitet Lars Larson so viel Freude. Das Häuschen ist sein liebstes Hobby..
      Es ist so lustig, wenn er Mal anruft und verkündet: Susanna, ich hab wieder was Neues bekommen! Sooo schöne Türen mit Glasfronten.. und mir einen ausführlichen Bericht darüber gibt, woher sie sind, was so besonders daran ist, warum sie so schön sind und und und
      Das macht das Häuschen für mich auch so speziell, diese unglaubliche Begeisterung für Details.
      Schön, dass du beim "Rundgang" dabei warst!
      Ganz lieben Gruß!
      Susanna

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  4. Boah, das ist ja mal ein cooles Projekt <3 so richtig richtig genial und wunderbar. Ich liebe es, dass man so richtig viel Liebe spürt, beim anschauen der Bilder. Und durch deine Worte hatte ich wirklich das Gefühl, mitten in diesem Häuschen zu stehen... viele liebe Grüsse an Lars Larson - ein wunderbares Projekt hat er da gezaubert <3
    Lg Debby

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    1. Liebe Debby, wie mich das freut, dass dir das Projekt und der Beitrag dazu gefällt!
      Durch eure lieben Kommentare bin ich nun etwas beruhigt, dass ich die Besonderheit des Häuschens doch etwas rüber bringen konnte!
      Und selbst wenn Lars Larson keine Intention hatte mit dem Projekt jemand anderes zu gefallen, sondern sein kleines Paradis nur für sich und Freunde baut, so freut es ihn doch, dass sein Werk auch bei anderen Anklang findet! :) Danke für dein liebes Kommentar!
      Ganz lieben Gruß!
      Susanna

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  5. Das Häuschen vom Sachensucher.... Dein Beitrag ist so stimmig, Deine Bewunderung für dieses Häuschen und die Begeisterung desjenigen, der es gebaut hat, so gut rauszuspüren. Da gehen wir gerne nach Hause, um wiederzukommen, auf Deinen Blog und zu weiteren wunderbaren Geschichten von Dir! Ganz liebe Grüße, Gabi

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    1. Oh, so ein schönes Kommentar!! Liebe Gabi, wie mich das freut, dass du gern meinen Blog besuchst und die ein oder andere Geschichte liest!
      Vor allem bei diesem Beitrag freut es mich natürlich besonders, dass er dir gefällt! Danke, für deine lieben Worte!1
      Ganz lieben Gruß!
      Susanna

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Schön, dass ihr hergefunden habt! Ich freue mich über jeden eurer Gedanken, Lob und Kritik!