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Sonntag, 6. November 2016

Hemlagad nyponsoppa - eine traditionelle schwedische Hagebuttensuppe mit Mandelbiskuit


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Vor nicht allzu langer Zeit, habe ich die Hagebutte für mich entdeckt. Klein, leuchtend rot, hübsch an zu schauen und doch so unscheinbar in meinen Augen kannte ich die Hagebutte doch schon seit Kindertagen. Denn nyponsoppa - Hagebuttensuppe - ist ein Gericht, dass man ohne Frage, als typisch schwedisch bezeichnen kann.


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In Tetrapack verpackt, wird das Süppchen an jeder Ecke in Schweden verkauft und noch vor ein paar Jahren hatte es auch hierzulande sogar der große Schwede in seinem Sortiment.
Es gibt auch fertiges Hagebuttenpulver, das man zur Herstellung der gesunden Suppe verwenden kann - die Instant-Version so zu sagen.
Doch ist man natürlich der Meinung, dass selbstgemachte nyponsoppa aus frisch gepflückten Hagebutten am aller besten schmeckt!

Meine Mama schwärmt seit eh und je von der Vitamin C geladenen Suppe, doch uns Kinder konnte sie irgendwie nie so richtig davon überzeugen.
Das liegt bestimmt auch daran, dass wir hier in Österreich nur die fertig verpackte Version des schwedischen Möbelhauses seviert bekamen und waren wir im Sommer in Schweden kam niemand auf die Idee Hagebuttensuppe zu essen.
Daher war uns die süße Suppe eher fremd und ich war aus Prinzip nicht davon begeistert - wie Kinder nun Mal sein können..

Das ging wohl nicht nur uns Kindern so, denn schon vor vielen vielen Jahren, nahm in Österreich der große Schwede die sonderbare Suppe aus seinem Sortiment.

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Dieses Jahr habe ich mich daran gewagt, Hagebutten zu verarbeiten und bin richtig überrascht darüber, wie schmackhaft  die rote Rosenbeere doch ist!

Mein erster Versuch war ein Hagebutten-Kumoi Pie und der war richtig lecker!!

Oben drauf ist die Scheinfrucht - die tatsächlichen Früchte der Hagebutte sind die haarigen Nüsse im Inneren! - auch noch eine regelrechte Vitaminbombe!
Sie ist süßsauer und reich an Vitaminen, insbesondere Vitamin C, aber auch Vitamin A, B1 und B2.
Ausserdem soll der Verzehr von Hagebutten angeblich Rheuma und Gicht lindern, den Harnfluss fördern und den Wuchs mancher Krebszellen blockieren.

Demnach kann ich es nur empfehlen beim herbstlichen Spaziergang ein paar Hagebutten längs des Weges von der Heckenrose zu stibitzen und zu Mus, Marmelade oder Tee zu verarbeiten.

Keine Angst, es gibt zwar viele verschieden Arten der Wildrose, doch alle tragen sie ungiftige Hagebutten. Selbst die schwarzen Hagebutten der Bibernell Rose sind zum Verzehr geeignet.



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Nachdem ich mich der "fremden" Rosenbeere etwas genähert hatte, war es fast ein Muss, mich auch an eine
nyponsoppa, die schwedische Hagebuttensuppe, heran zu wagen.

Ich hatte ja echt keine Ahnung und fragte meine Mama sogar, ob die Suppe salzig ist!

Doch Salz kommt da natürlich nicht hinein, stattdessen eine ganze Menge Zucker.

Es gibt kaum Aufzeichnungen darüber, seit wann die gesunde Hagebuttensuppe auf dem Speiseplan steht.

Klar ist, dass Nyponsoppa nach dem zweiten Weltkrieg seinen festen Platz in der schwedischen Küche bekam.

Als beliebte
Zwischenmahlzeit oder als Dessert mit Schlagsahne und Mandelbiskuit verfeinert, hat sich das bis heute nicht geändert.





Es gibt zwei Arten der Zubereitung. 
Laut meinen Nachforschungen scheidet sich - wie bei der schwedischen Prinzessinnen Torte - auch hier die Nation.

Die einen schwören darauf, die Suppe aus ganzen frischen Hagebutten zuzubereiten und die anderen entkernen und trocknen die Hagebutten vorher.

Die Suppe wird aus Hagebutten, Wasser,  Zucker und Kartoffelmehl zubereitet.


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Zutaten für etwa 4 Personen:
500 g frische Hagebutten
Wasser
1-2 EL Kartoffelmehl (Maismehl geht genauso)
Zucker (oder Honig, Agavensirup..)


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1. Die frischen Hagebutten waschen und die Stängel und Blütenansätze abtrennen.

2. Die ganzen Hagebutten in einen Topf geben und mit Wasser bedecken.

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3. Die Hagebutten aufkochen und ca. 20 Minuten köcheln lassen.

4. Sind sie ganz weich gekocht, werden die Hagebutten mit einem Stabmixer gut püriert.

5. Die pürierte Masse durch ein feines Sieb passieren, um die kleinen Nüsse, Härchen und eventuell andere unerwünschte Teilchen zu entfernen.
Hat man eine, so kann man gerne eine "Flotte Lotte" zur Hand nehmen, doch ein Sieb funktioniert auch ohne Probleme.

Zurück bleibt ein Hagebuttenmus, das man auch prima zur Marmeladenherstellung verwenden kann.

Frisches Hagebuttenmus ist sehr empfehlenswert, wenn man einen deutlichen Vitamin C-Mangel hat. Ein Esslöffel Hagebuttenmus deckt den Vitamin C-Bedarf eines Erwachsenen.

Im Kühlschrank hält sich das Hagebuttenmus einige Tage. Die Haltbarkeit hängt davon ab, wie sauber man gearbeitet hat und ob die Früchte mit Schimmelsporen in Kontakt gekommen sind.
Übrigens: das Vitamin C in den Hagebutten wird durch das leichte Kochen nur in geringem Maße zerstört. Hitze ist weniger schädlich für Vitamin C als beispielsweise lange Lagerung an der Luft.
 
6. Das Hagebuttenmus mit Wasser verdünnen, bis man etwa 1 Liter Suppe erhält.

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7. Das Kartoffelmehl mit etwas Wasser verrühren und die Suppe damit eindicken.

8. Zum Schluss wird die Suppe noch gesüßt.

In schwedischen Rezepten verwendet man aber, meiner Meinung nach, viel zu viel Zucker! Bei 1 Liter Hagebuttensuppe geben die süßen Schweden locker noch 100 - 150 g Zucker dazu.

Daher würde ich mich da nicht an Rezeptvorgaben halten und beim Abschmecken mit kleinen Mengen beginnen.

Der Zucker kann natürlich auch mit Honig, Agavensirup oder anderen Alternativen ersetzt werden.

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Nyponsoppa wird einfach so - kalt oder warm - in der Tasse getrunken oder als Dessert in einer Schüssel mit einem Klecks geschlagener Sahne oder Vanilleeis geschmaust.

Will man die Hagebuttensuppe extra fein servieren, kann man gerne mit selbst gebackenem Mandelbiskuit dekorieren.

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Mandelbiskuit oder auch Makronen sind kleine Mandelkekse mit Ei, jedoch ohne Mehl. Diese Art von Keksen haben in vielen Ländern Tradition.

Makronen gehen auf Süßigkeiten der arabischen Küche zurück, bei denen feingeriebene Mandeln mit Zucker und Rosenwasser vermengt wurden.

In Europa gibt es Aufzeichnungen des süßen Gebäcks schon im Mittelalter.

Von der arabischen Welt beeinflusst, waren Biscotto amaretto in Italien schon im Hochmittelalter beliebt.
Von Süditalien verbreitete sich das Kleingebäck angeblich nach Frankreich und Deutschland.

In Frankreich nennt man das traditionelle Mandelbiskuit macaron, das schon in der Renaissance gern gegessen wurden. Um 1900 entstand eine doppelte Variante der macaron, zwei mit Creme gefüllte Biskuitkekse.

Um 1600 wanderte der Biskuitkeks von Frankreich weiter nach Deutschland.  Die deutsche Makrone wird oft statt mit Mandeln, mit Aprikosenkernen oder auch Kokosnuss gemacht.

In England gibt es Aufzeichnungen von Rezepten des Kleingebäcks von 1700. Verschiedene Versionen der macaroons sind über das ganze Land verbreitet. Eine übliche Variante ist mit Kokos statt mit Mandel.

In der Tyrkei bekommt man in den Konditoreien Bittermandel-Kekse - Acıbadem kurabiyesi.

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In Schweden werden mandelbiskvier traditionell mit Mandelmasse aus süßen Mandeln, Zucker, Eigelb und ein klein wenig Bittermandel gebacken.

Als Bittermandeln bezeichnet man sowohl die in geringen Mengen vorkommenden bitteren Süßmandeln als auch die Mandeln der Unterart Prunus amygdalus amara

Aprikosenkerne, Apfelkerne, Bittermandeln und Samen von anderen Steinfrüchten enthalten Amygdalin in hohen Konzentrationen.
Daher sind unbehandelte und rohe Bittermandeln nicht für den menschlichen Genuss geeignet.
Das beinhaltete Amygdalin verwandelt sich in verdünnten Säuren, wie im Magen, in Gentiobiose und Mandelonitril.
Letzteres zerfällt weiter zu den typischen Bittermandelaromen, Benzaldehyd und Blausäure, das starke gesundheitliche Schäden verursachen kann. 
Wegen der Flüchtigkeit und Hitzeempfindlichkeit kann sich in einer mit Bittermandeln zubereiteten erhitzten Speise nur eine ungefährliche Menge an Blausäure ansammeln.

Die Bittermandel mit ihrem bitteren und intensiven Geschmack wird in manchen Ländern gern beim Backen und Kochen als Aromastoff verwendet. Der Geschmacksstoff Benzaldehyd wird heutzutage aber auch synthetisch produziert und ist im Handel als Bittermandelessenz erhältlich.



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Hier in Österreich ist die Bittermandel nicht so gängig und daher ist das folgende Rezept auch ohne. Wer möchte, kann aber gern 1 - 2 Tropfen Bittermandelessenz hinzufügen. 

Zutaten für ca 60 Stück:
200 g Mandelmasse
100 g Zucker
55 g Eiweiß

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1. Den Zucker sorgfältig in die Mandelmasse einkneten

2. Nach und nach das Eiweiß hinzufügen und alle drei Zutaten zu einer einheitlichen Masse verrühren. Den Teig etwa eine Stunde im Kühlschrank kalt stellen.


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3. Den Teig in eine Spritztüte füllen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech etwa 5 Cent große Taler spritzen.

4. Im vorgeheizten Ofen bei etwa 170 °C eta 8 - 12 Minuten backen, bis die Plätzchen eine schöne goldene Farbe bekommen haben.

5. Das Mandelbiskuit aus dem Ofen nehmen und auf einem Backgitter auskühlen lassen.


Zu einer warmen Hagebuttensuppe oder einfach zum Kaffee schmecken die kleinen Kekse ganz besonders!

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Lasst es euch schmecken!




..eure Susanna



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Kommentare:

  1. mhm, also ich hätte jetzt gerne einen Teller Suppe :-)

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  2. Mein Gott sieht das Gut aus. Dabei bin ich alles andere als ein Hagebuttenfan-die ich nur als Tee und Juckpulver (ja auch das kann man aus Hagebutten machen) kenne. Es sieht wunderschön aus und dein Beitrag, samt Hintergrundwissen, steht einem Kochbuch in nichts nach. Vielleicht wage ich mich ja doch mal an die ungeliebte Hagebutte?!

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    1. Liebe Anni, für mich ist es auch ganz etwas Neues Hagebutten zu essen :) und ich war echt überrascht, dass die Suppe tatsächlich so lecker schmeckt! Jedoch würde ich sie wohl lieber Smoothie nennen, denn das Wort Suppe schreckt irgendwie in diesem Zusammenhang ab ;)
      Danke, für dein liebes Lob!!!
      Ganz lieben Gruß!
      Susanna

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  3. Liebe Susanna,
    die Hagebuttensuppe kannte ich noch nicht. Eigentlich kenne ich Hagebutte überhaupt nur als Tee. Und auch der Wissensbericht war wieder sehr interessant. Den muss ich gleich nochmal lesen, am liebsten mit einer warmen Hagebuttensuppe ;-).
    Lieben Gruß
    Angie

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    1. Danke, liebe Angie!! Schön, dass dir mein Beitrag gefällt! Wer weiß, vielleicht kommt bei dir demnächst auch eine Hagebutten-Suppe auf den Tisch! :)
      Ich wünsche dir ein ganz feines Wochenende!!
      Ganz lieben Gruß!
      Susanna

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