"Was ihr machen wollt, weiß ich nicht.
Ich werde
jedenfalls nicht auf der faulen Haut liegen.
Ich bin nämlich ein Sachensucher,
und da hat man niemals eine freie Stunde."
(Pippi Langstrumpf)
Heute zeige ich euch ein wunderbares Upcycling-Projekt!
Es hat nichts mit Basteln oder Nähen zu tun und bis auf die Tatsache, dass ich eine große Bewunderin des Werkes bin und mich immer wieder freue, wenn ich inmitten sagenhafter Figuren und anderem alten Klimbim einen Nachmittagskaffee schlürfe, habe ich mit der Entstehung nichts zu tun.
Die Rede ist von einem kleinen roten Häuschen umringt von Feldern, Wiesen und grimmigen und doch so herzlichen Bauern.
Dieser Beitrag liegt schon so lange zwischen Tür und Angel, aber so ganz zufrieden damit bin ich bis heute nicht. Es will mir einfach nicht gelingen den wahren Zauber dieses Projektes voll und ganz zu vermitteln.
Doch bevor sich das Jahr dem Ende neigt, will ich doch noch davon erzählen..
Von einem kleinen Häuschen, das so besonders ist, da es fast ausschliesslich aus, über vieler Jahre gesammelter Teile vom Sperrmüll, alten Fabriken und Fundstücken auf Dachböden gebaut wurde.
So entstand ein einzigartiges Plätzchen, das an jeder Ecke eine eigene Geschichte zu erzählen hat.
Es gibt so viel zu schauen und zu entdecken und wenn ihr wollt nehm ich euch mit auf einen kleinen Rundgang in eine einzigartige Welt..
Ich nenne ihn in diesem Beitrag Lars Larson, da dies auch sein Pinterest Name ist und obwohl er mir gern die Erlaubnis gab, etwas über sein Projekt zu schreiben, will er selber nicht unbedingt ins Rampenlicht gestellt werden.
Auf Pinterest findet ihr übrigens ein paar Bilder von der Entstehung des Häuschens.
Vor ein paar Jahren übernahm Lars Larson den Grund von seiner lieben Oma. Bis auf ein paar Gemüsebeete und einem kleinen Schuppen für Gartenwerkzeug befand sich nichts auf dem Grundstück.
..und aus diesem alten Geräteschuppen ist das Projekt "Häuschen bauen aus Wegwurf-Material" geboren.
Das Projekt ist schon weit gekommen, doch es wird wohl ein ewiger Prozess sein, am Bau zu feilen und zu werkeln.
Mittlerweile besteht das Häuschen aus Terrasse, Wohnraum, Schlafraum und Küche und einem kleinen Zimmerchen mit einer Sitzbadewanne, die man selber mit, am Herd erwärmten Wasser befüllen muss.
Denn fliessend Wasser gibt es keines, dafür ein Regenwassertank aus Beton, der im Sommer auch gern als "Kühlschrank" für Getränkeflaschen verwendet wird.
Für andere Bedürfnisse steht eine deluxe Campingtoilette zur Verfügung.
..und Strom? Gibt´s, und zwar von Solarstromzellen am Dach ! Da es doch schwer ist mehrere Tage ohne auszukommen, denke man an Handy aufladen oder Musik hören.
Lars Larson sammelt schon seit Jahrzenten alles mögliche an noch brauchbaren Dingen, die ihn in irgendeiner Weise begeistern.
Noch bevor er im Entferntesten wusste, dass er jemals dieses kleine Häuschen bauen würde, machte er nicht davor halt alte charmante Türen, Fensterrahmen, Lampen, hübsche Vasen, Bilder, alte Werkzeuge, alte Zeitungen.. zu sammeln. Die Liste könnte ich beinahe ins Unendliche fortsetzen.
Alles Dinge, die jemand anderes nicht mehr haben wollte und entsorgt hatte.
In seiner Wohnung und in seinem Keller wurde alles fein säuberlich verstaut und wartete darauf, einen neuen Sinn zu bekommen.
Das Schönste ist, wie Lars Larson von seinen Fundstücken erzählt. Diese Begeisterung, ja fast "Liebe" für die alten Sachen, kenne ich von niemanden!
Kommt man in den Garten entdeckt man sogleich viele liebevolle Details, alte Kochtöpfe und Kuchenformen, skurrile Puppen, verspielte Metallverzierungen von alten Häusern, altes Werkzeug und kleine lustige Figuren.
Lars Larson ist ein Liebhaber der Schönen Dinge. Doch würde er nie auf die Idee kommen in einen Laden zu gehen und sich das ein oder andere hübsche Stück zu kaufen.
Nein,
er ist wie Pippi Langstrumpf ein Sachensucher! Wer nun nicht weiß, was
ein Sachensucher ist, dem will ich es mit Pippis eigenen Worten
erklären:
Jemand der Sachen findet, wisst ihr?
Was soll es anderes sein!
Die ganze Welt ist voller Sachen
und es ist wirklich nötig, dass jemand sie findet.
Und das gerade, das tun die Sachensucher.
(Pippi Langstrumpf)
Ein echter Sachensucher kann überall
nützliche oder einfach nur schöne Dinge finden. Dinge, die ein anderer achtlos
weggeworfen oder vielleicht auch irgendwann einfach
verloren hat.
Man muss nur einen besonderen Blick - den Sucherblick - und viel Leidenschaft und Liebe für die, für andere wertlosen Dinge haben und schon kann man wunderbare Schätze im Sperrmüll, auf Dachböden oder Flohmärkten finden.
Auch
in der Natur gibt es wunderschöne Dinge zu finden. So wurde auch hier der Garten und das Häuschen mit sonderlich geformtem Schwemmholz, Wurzeln und Steine dekoriert.
Man braucht nur die Augen offen halten und aufmerksam überall hin schauen, wenn man als Sachensucher durch die Gegend wandert. Mit Sicherheit wird man dann nicht mit leeren Händen nach Hause zurückkehren.
An das Häuschen ist eine kleine überdachte Terrasse gebaut, die von Fensterfronten vom Wind geschützt wird.
Was das Häuschen so besonders macht ist das Material, woraus es gebaut wurde.
Natürlich mussten auch neue Baumaterialien angeschafft werden, aber das meiste sind Fundstücke oder Geschenke von Menschen, die wussten, dass Lars Larson aussergewöhnliche Sachen gerne an sich nimmt.
So auch zum Beispiel die verschiedenen Fensterrahmen, die von einer alten Fabrik stammen.
Das Glas wurde neuen Fenstern entnommen, die er am Sperrmüll gefunden hatte, zugeschnitten und in die alten Rahmen eingesetz.
In der Küche steht ein alter Tischherd, den ein Bauer in seiner Garage stehen hatte. Den Kamin dafür mauerte Lars Larson mit geschenkten alten Ziegeln eines Nachtspeicherofens.
Der schöne Rauchfangaufsatz am Schornstein hatte ein Freund Lars Larsons am Dachboden liegen.
So zieht sich das durch´s gesamte Haus und da immer wieder Dinge das Sammelsurium Lars Larsons erweitern, verändert sich auch das Haus fast tagtäglich.
Das Herzstück des Häuschens ist der Wohnraum!
Oh, da ist es so heimelig und wird im Tischherd auch noch geheizt, ist es einfach nur wunderbar! Ein Käffchen und eine Ausgabe Film-Kurier oder Hobby aus den 70ern dazu und schon verspricht es ein feiner Nachmittag zu werden.
Leider ist es unmöglich, euch alle hübschen Dinge zu zeigen. Ihr müsst euch das so vorstellen.. jedes freie Plätzchen wurde mit besonderen und sonderlichen Stücken gefüllt, die bereits viel erlebt und zu erzählen haben.
Das modernste im Häuschen ist Lars Larsons 20 Jahre altes Nokia Handy ;)
Meine absoluten Lieblinge sind die vielen Ausgaben des Film-Kuriers, einer der damals einflussreichsten Filmzeitschriften.
Der Illustrierte Filmkurier war ein Filmprogrammheft zu wichtigen Filmen, das in den Kinos verkauft wurde.
Das Blatt wurde von Alfred Weiner gegründet und erschien 1919 - 1945 in Berlin.
Jedes Mal wenn ich komme, stehen die Dinge irgendwie anders und ich entdecke immer wieder neue Stücke. Egal ob im Garten, auf der Terasse oder drinnen, es gibt so viel zu sehen und zu bestaunen!
Und jedes einzelne Stück ist etwas ganz Besonderes für Lars Larson!
Nur ein paar Meter weiter weg vom Häuschen fließt die Steyr. Ein naturbelassener Fluss, dessen Wasser so sauber ist, dass es sogar Trinkqualität hat!
Die Steyr wurde und wird hauptsächlich zur Energiegewinnung genutzt. Früher zum direkten Antrieb von zum Beispiel Mühlen oder Schmiedehämmern, später zur Stromerzeugung.
Da das Wasser sehr seicht ist und hie und da ein Wasserkraftwerk den Weg versperrt, wird der Fluss nur von kleinen unmotorisierten Booten oder Flossen befahren.
Das Steyrtal ist ein Paradis für Mensch und Tier. Gäste, die das erste Mal Steyr und das gleichnamige Tal kennenlernen, sind entzückt vom Liebreiz und der Urgewalt entlang dieser Wasserader.
Es ist ein idealer Ort um Energie zu tanken und die Natur zu geniessen.
Auf der anderen Seite des Häuschens tukert die Steyrtalbahn, die älteste Schmalspurbahn Österreichs, vorbei.
Deren Fahrt beginnt in Steyr, vorbei an der weltbekannten Wallfahrtskirche Christkindl und dem Postamt Christkindl durch Wiesen und unberührte Aulandschaften.
Meist weitab von Ortschaften, folgt die Strecke dem Lauf der Steyr durch eines der reizvollsten Täler der Region.
..und wenn´s dann dunkel wird, erwacht vielleicht die ein oder andere Seele der gelebten Dinge und grüßt die Nacht.
Hoffentlich hat euch der kleine Ausflug gefallen, denn mir war es ein Anliegen euch vom hübschen Häuschen zu erzählen.
Einfach nur, um sich in Erinnerung zu rufen, dass es auch anders geht . Vor allem nun zur Weihnachtszeit neigt man leicht dazu seinen Konsum zu übertreiben und da will ich mir auch an meine eigene Nase fassen!
475 Kilogramm Müll wirft jeder EU-Bürger jährlich weg, darunter 123 Kilogramm Essen (Statistischen Amts der EU, Eurostat, 2014).
Ich bin leider auch kein Engel was den Konsum betrifft und kaufe immer noch mehr als nötig! Da tut es gut, daran erinnert zu werden, den Dingen etwas Bedeutung zu geben, dann werden sie auch gleich viel schöner in den Augen des Betrachters.
Aber nun verabschiede ich mich mit Pippis Worten..
"Am besten, ihr geht jetzt nach Hause,
damit ihr morgen
wiederkommen könnt.
Denn wenn ihr nicht nach Hause geht,
könnt ihr ja
nicht wiederkommen.
Und das wäre schade."
(Pippi Langstrumpf)
..eure Susanna
Verlinkt bei facile et beau
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